Über mich

Als Sohn eines ägyptischen Vaters und einer deutschen Mutter bin ich zwischen zwei Kulturen und zwei Religionen aufgewachsen, zwischen Erwartungen, die sich nicht immer vereinbaren liessen. Meine Kindheit war von wenig Stabilität geprägt, und ich musste früh Verantwortung übernehmen. Nach der Trennung meiner Eltern verlor ich in der frühen Jugend zusehends den Halt.

Während dieser Zeit lebte ich Männlichkeitsbilder, die Unverwundbarkeit versprachen – Härte, Kontrolle, das Gefühl, sich durchsetzen und nichts anmerken lassen zu dürfen. Genau diese Muster führten mich Schritt für Schritt dorthin, wo ich mit Anfang zwanzig stand: an einem Punkt, an dem es so nicht weitergehen konnte.

Im Vakuum der scheinbar ausweglosen Situation, in die ich geraten war, erkannte ich zum ersten Mal wirklich, was Selbstverantwortung bedeutet. Daraufhin entschied ich mich nicht für einen Kurswechsel, sondern für eine Kehrtwende – Offenheit statt Aggression, Verletzlichkeit anstelle von Masken, Selbstfürsorge statt Selbstzerstörung und Beziehungen, die tragen, statt solcher, die zehren.

Dieser Weg war nicht geradlinig und ist bis heute nicht abgeschlossen. Aber er hat mir gezeigt, dass Veränderung möglich ist, auch von einem Punkt aus, an dem man sie sich kaum noch vorstellen kann – und dass sie mit der Verantwortung für das eigene Leben beginnt.

Beruflich begleite ich seit über zehn Jahren Menschen in anspruchsvollen Lebenssituationen – Kinder und Jugendliche, Menschen mit Behinderung, Menschen in psychischen Ausnahmesituationen. Heute leite ich eine Wohngruppe für erwachsene Menschen mit Autismus. Diese Arbeit hat mich gelehrt, mit offenem Blick zu beobachten, zuzuhören und Menschen ohne Bewertung zu begegnen.

Am unmittelbarsten begegne ich dem Thema Männlichkeit heute als Vater und Partner. In der Beziehung zu meiner Frau und in der Elternschaft treffe ich immer wieder auf das Männerbild, das mir selbst vorgelebt wurde – auf dieselben Muster, die ich als Jugendlicher angenommen hatte und die mich damals zu Fall brachten. Heute erkenne ich, woher sie kamen, und entscheide mich bewusst dagegen, sie weiterzugeben.

Dieses Durchbrechen alter Muster ist kein abgeschlossenes Projekt, sondern tägliche Praxis mit Erfolgen und Rückschlägen. Die Themen, um die es in dieser Begleitung geht, sind dieselben, an denen ich in meinem eigenen Leben arbeite – und die diesem mehr Tiefe verleihen.

Ein Mann mit dunkler Hautfarbe, kurzen Haaren und Ohrring, schaut nach rechts, steht vor einem Fenster, im Hintergrund eine Leiter und Gebäude zu sehen.